Best Practice | Plattform-Reaktivierung der MuleSoft Runtime Fabric unter Azure per Greenfield-Migration

Plattform-Reaktivierung der MuleSoft Runtime Fabric unter Azure per Greenfield Migration

Inhalt

Aus der Praxis

Unser Kunde ist ein ambulantes Gesundheits-, Therapie- und Dienstleistungsunternehmen mit eigener Produktion und versorgt Patienten mit Hilfs-, Reha- und Arzneimitteln, Logistik und produktbegleitenden Dienstleistungen.

Modernisierung der iPaaS-Plattform unter Hochdruck

Wenn die Verbindung zwischen der zentralen Steuerungsebene und der lokalen Laufzeitumgebung unterbrochen ist, führt dies zu erheblichen Einschränkungen im IT-Betrieb.

Im konkreten Fall hatte die bestehende Integrationsplattform unseres Kunden auf Basis von Azure Kubernetes Service (AKS) und MuleSoft Runtime Fabric die Verbindung zur Anypoint Control Plane verloren.

Dadurch waren Deployments, Konfigurationsänderungen und das Management der Plattform nicht mehr möglich. Auch Monitoring- und Logging-Daten standen nicht mehr zur Verfügung, wodurch erhebliche Risiken für geschäftskritische Integrationsprozesse entstanden. Der kritische Konnektivitäts-Verlust zur Anypoint Platform führte zu einem vollständigen Plattform-Lock.

Aufgrund des nahenden Support-Endes der bestehenden Umgebung lag ein hoher Handlungsdruck auf allen Beteiligten, was durch eine unvollständige Dokumentation der Systemlandschaft noch erschwert wurde.

Die Anforderung

Das Unternehmen hatte bereits einen Partner von ITARICON mit der Betreuung und Weiterentwicklung seiner IT-Landschaft beauftragt, welcher die Gesamtkoordination des Vorhabens übernahm. Für die technische Umsetzung der anspruchsvollen MuleSoft- und Cloud-Native-Migration wurde ITARICON als spezialisierter Partner hinzugezogen. ITARICON wies zudem die dringend benötigte Erfahrung in der Migration komplexer Integrationslandschaften und der Rekonstruktion unzureichend dokumentierter Umgebungen auf.

Gemeinsam begleiteten wir unseren Kunden bei der Stabilisierung und Modernisierung seiner geschäftskritischen Integrationsplattform.

Das Ziel

Ziel dieses Projektes war die Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit des IT-Betriebes sowie die Absicherung geschäftskritischer Auftragsabwicklungen. Anwendungen sollten wieder flexibel deployt, überwacht und skaliert werden.

Der Weg

ITARICON analysierte die bestehende IT-Umgebung. Da es sehr große Versionssprünge und zahlreiche technische Altlasten in der bestehenden IT-Landschaft gab, entwickelte ITARICON einen Greenfield-Ansatz, da dieser als wirkungsvollste Strategie erschien. Es wurde also eine neue Zielplattform aufgebaut, die Infrastruktur rekonstruiert, technische Altlasten bereinigt und die Migration von 38 Mule-Applikationen umgesetzt. Parallel wurden Monitoring, Logging und Deployment-Prozesse modernisiert.

Die Herausforderung

Die bestehende Integrationsplattform auf Basis von Azure Kubernetes Service (AKS) und MuleSoft Runtime Fabric (RTF) wies einen kritischen Konnektivitätsverlust (Disconnect) zur Anypoint Control Plane auf. Dieser Zustand führte zu einer temporären operativen Lähmung des Plattform-Managements:

Vollständiger Deployment-Lock: Aufgrund der fehlenden Synchronisation war das Plattform-Management blockiert. Es war technisch unmöglich, Mule-Applikationen neu zu deployen, Konfigurationen anzupassen oder bestehende Instanzen zu modifizieren und zu löschen.

Ausfall der Observability: Da keine Monitoring-Daten und Logs mehr abgegriffen werden konnten, fehlte die notwendige Transparenz über den Zustand der laufenden API-Landschaft.

Risiko für den Auftrags-Workflow: Über die Hauptstrecke der Plattform werden hochgradig zeitkritische Daten verarbeitet. Ein unbemerkter Ausfall einer zentralen API hätte den logistischen Auftragsdurchlauf blockiert, ohne dass eine schnelle Fehleranalyse oder ein automatisiertes Re-Deployment möglich gewesen wäre.

Fehlende Informationsbasis: Erschwert wurde die Situation durch eine unvollständige Dokumentation der Altsysteme, während der offizielle Support-Ausschluss (gemäß Salesforce Article 005313693) den zeitlichen Handlungsrahmen mit 31.03.2026 definierte.

Die ITARICON-Lösung

Da ein direktes Upgrade aufgrund der massiven Versionssprünge technisch nicht realisierbar war, entwickelte ITARICON einen Greenfield-Ansatz. Dieser Neuaufbau wurde mit einem neuen AKS-Cluster, der aktuellen MuleSoft Runtime Fabric, einem modernisierten Monitoring- und Logging-Stack, neuer Datenbankarchitektur, optimierten Routing-Konfigurationen sowie automatisierten Deployment-Pipelines umgesetzt.

Dabei wurden folgende Schritte ausgeführt:

Bereitstellung und vollumfänglicher Aufbau der neuen Ziel-Umgebung

Es wurde ein neues AKS-Cluster bereitgestellt und eine frische Instanz der neuesten Runtime Fabric installiert. Der absolute Schwerpunkt dieses Arbeitsschritts lag in der vollständigen Rekonstruktion und Konfiguration der gesamten Plattform-Infrastruktur.

Dazu gehörten auch die vollständige Implementierung und Konfiguration des Loki-Stacks innerhalb des neuen Clusters, um direkt ab Start der ersten Anwendung ein lückenloses Log-Management und Echtzeit-Monitoring zu gewährleisten.

Um alle 38 Mule-Applikationen wieder fehlerfrei lauffähig zu machen, wurden sämtliche Kubernetes-Manifeste, Umgebungsvariablen, Secrets und Netzwerkkonfigurationen von Grund auf neu aufgebaut, aufeinander abgestimmt und provisioniert.

Mit der Integration der Cloud-Services Anypoint MQ (asynchrones Messaging) und ObjectStore (transaktionale Zwischenspeicherung und ID-Management) wurden die Schnittstellen zu externen MuleSoft-Diensten manuell verknüpft und validiert.

Ergebnis: Durch diesen strukturierten und vollständigen Neuaufbau aller Kernkomponenten wurde die essentielle Verbindung zur Anypoint Platform erfolgreich wiederhergestellt. Damit wurde das technische Fundament gelegt, um die 38 betroffenen Business-APIs ohne Datenverlust oder Konfigurationskonflikte in die neue Umgebung zu überführen.

Technische Forensik und Code-Refactoring

Aufgrund der veralteten Dokumentation musste die bestehende Konfiguration direkt aus den Systemen rekonstruiert werden. Dabei wurden strukturelle Optimierungen vorgenommen:

  • Korrektur der Manifeste: In den Repositories hinterlegte Kubernetes-Manifeste wiesen fehlerhafte Zuordnungen bei Storage Classes, Persistent Volume Claims (PVCs) und Webhook-Konfigurationen auf. Diese wurden analysiert, korrigiert und neu strukturiert.
  • Behebung von Routing-Blockaden: Ein fehlerhaftes Regex-Handling im Ingress-Controller, welches die interne Kommunikation zwischen den APIs blockierte, wurde identifiziert und durch ein neues Traffic-Management ersetzt.
  • Infrastruktur-Modernisierung: Veraltete Komponenten wie Promtail wurden abgelöst und durch die zukunftssichere Logging-Architektur (Loki/Grafana) ersetzt. Da der Zugriff auf die bisherige Datenbank limitiert war, wurde ein hochverfügbarer CNPG (CloudNativePG) Cluster für PostgreSQL neu aufgesetzt.

Optimierung der Delivery-Pipeline

Die Bitbucket Pipelines wurden umfassend umgebaut, um sämtliche 38 Mule-Anwendungen automatisiert, fehlerfrei und inklusive aller neuen Firewall-, Datenbank- und Ingress-Regeln auf dem neu aufgebauten Cluster zu deployen. Außerdem wurde sichergestellt, dass Mule-Artifakte zwischengespeichert werden, um einen manuellen Upload als Backup zu ermöglichen.

Statt Schema F, die Kundenanforderungen im Fokus
Der Lösungsansatz wurde konsequent auf die Anforderungen einer geschäftskritischen Auftragsabwicklung ausgerichtet. Hohe Verfügbarkeit, Transparenz und Betriebssicherheit standen zu jeder Zeit im Fokus.

Projektergebnis

Der erfolgreiche Greenfield-Relaunch hat die Handlungsfähigkeit des IT-Betriebs wiederhergestellt und die Stabilität der Integrationsplattform nachhaltig gesteigert.

Im Rahmen einer gezielten technischen Restrukturierung wurde für eine isolierte MuleSoft Runtime Fabric auf Azure ein strategischer Greenfield-Neuaufbau realisiert. Durch die Bereitstellung eines neuen Clusters und einer neuen Runtime Fabric konnte die Konnektivität zur Anypoint Platform erfolgreich wiederhergestellt werden. Das Projekt sicherte den kontinuierlichen Datenfluss der zentralen Auftragsabwicklung und überführte die blockierte Infrastruktur in eine moderne, performante Cloud-Native-Landschaft.

„Durch die präzise Greenfield-Migration wurde die Handlungsfähigkeit der MuleSoft-Infrastruktur erfolgreich wiederhergestellt. Das Unternehmen verfügt nun über eine hochverfügbare, transparente und zukunftssichere Integrationslandschaft auf dem neuesten Stand der Technik.“

Silja Woelk
Business Team Manager, Integration Platform Consulting, ITARICON GmbH

Geschaffener Mehrwert

  • Sicherung der Geschäftskontinuität: Der zeitkritische Auftrags-Workflow läuft nun auf einer stabilen, lückenlos überwachten Umgebung. Das Risiko eines ungeplanten Systemausfalls auf der Hauptstrecke wurde eliminiert.
  • Aufhebung des Plattform-Locks: Die IT-Abteilung verfügt wieder über die volle operative Souveränität. Durch die wiederhergestellte Verbindung zum neuen Cluster können alle Applikationen wieder agil deployt, skaliert und verwaltet werden.
  • Effizienzsteigerung im Datenfluss: Durch die Bereinigung von Legacy-Tools und die Behebung der Routing-Fehler wurden die Übertragungszeiten auf der Hauptprozessstrecke optimiert.
  • Wissensaufbau und Unabhängigkeit: Mit dem Projektabschluss wurde eine hochdetaillierte Dokumentation übergeben, die das interne Team befähigt, die Plattform eigenständig zu steuern und personelle Bottlenecks aufzulösen.

Warum ITARICON?

ITARICON war für diesen Kunden bereits im Bereich der Entwicklung tätig. Als es um die Realisierung dieses Projektes ging, setzte unser Partner als IT-Berater auf die tiefgehende Expertise von ITARICON in den Bereichen MuleSoft, Azure Kubernetes Service, Cloud-Native-Architekturen und Integrationsplattformen. Dadurch profitierte unser Kunde von der langjährigen Erfahrung unserer Consultants mit der Migration komplexer Integrationslandschaften und der Rekonstruktion unzureichend dokumentierter Umgebungen.

Dass unsere ITARICON-Consultants dabei auch immer über den Tellerrand schauen und weiter als bis zur Standardlösung denken, um für den Kunden das Beste herauszuholen, war ein weiteres Entscheidungskriterium.

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Silja Woelk
Business Team Manager | Integration Platform Consulting | ITARICON GmbH

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